Unser Stoffwechsel ist geeicht auf 37° C. Schon einen Verlust von nur 1° C quittiert er mit einem Verlust von circa 50 Prozent unserer Enzymtätigkeit. Dies ist nur eine der gravierenden Folgen einer zu niedrigen Körpertemperatur, die sich neben vielen anderen Faktoren negativ auf Ihre Gesundheit auswirken können.

Der Ursprung von 37° als menschliche Idealtemperatur

Wir Menschen sind warmblütige Säugetiere. Wir unterscheiden uns von den Gattungen der wechselwarmen Lebewesen neben anderen Wesensmerkmalen eben auch dadurch, dass wir unsere Körpertemperatur konstant bei circa 37° C halten – und das unabhängig von der Umgebungstemperatur. Ob wir uns als Forscher in der Antarktis durch den Schnee kämpfen oder als Beduinen in der Sahara durch den heißen Wüstensand stapfen: Unser Körper wird immer alles daransetzen, uns möglichst auf gleichbleibenden 37° Körpertemperatur zu halten. Dafür sind wir bestens ausgestattet. Mit den Wärmeregulationszentren im Hypothalamus (einer Gehirnregion), mit einer den Stoffwechsel regulierenden Schilddrüse und mit den Nebennieren funktioniert dies sehr effektiv. Die Körpertemperatur hält sich durch Zittern oder Schwitzen, Öffnen oder Schließen der Hautporen sowie die Regulierung der Blutgefäße in einem Temperaturfenster von rund 37°.

Kleine Abweichungen mit großer Wirkung 

Kriechtiere, Reptilien oder Fische sind da anders. Sie sind wechselwarme Tiere, die mehr oder weniger die Umgebungstemperatur annehmen oder sich ihr annähern. Auf jeden Fall passen sie sich den Außentemperaturen an. Der Stoffwechsel dieser wechselwarmen Tiere ist darauf abgestimmt, mit den unterschiedlichen Celsiusgraden klarzukommen. Die Natur hat sie mit allem Notwendigen ausgestattet und kann den Stoffwechsel der abwechselnden Hitze oder Kälte anpassen.

Wir Menschen sind eine andere Gattung. Wir gehören nicht zu den Reptilien und anderen Kaltblütlern. Um überleben zu können, darf unsere Körpertemperatur nie für eine längere Zeit um mehr als 3‒4° von den 37° abweichen. Sonst sterben wir beziehungsweise nehmen großen Schaden. Größere Abweichungen von einer bestmöglichen Körpertemperatur sind eine Katastrophe für unseren Organismus. Erfrierungen sind ähnlich schädlich wie Verbrennungen, und längere Kälteperioden sind ebenso lebenszerstörend wie ausgedehntes Fieber. Sie hinterlassen im Körper Spuren, wie Narben, und schwächen unseren Organismus dauerhaft. Schon bei leichteren Abweichungen von lediglich 0,5° unseres optimalen Temperaturfensters fühlen wir uns unwohl, krank und energielos.

Die Ideale Körpertemperatur

Die ideale Körpertemperatur bewegt sich in einem sehr engen Temperaturfenster von ca. 0,5°. Um uns möglichst lange in unserem schmalen optimalen Temperaturfenster zu halten, reguliert sich unser Körper. Während wir kleinere Temperaturschwankungen in unserer Umgebung erst wahrnehmen, wenn sie ein paar Grad übersteigen, beispielsweise von 18° auf 22°, sind unsere Sensoren für innere Temperaturverhältnisse sehr fein eingestellt. 0,5°‒1° nach oben oder unten nehmen wir schon als leicht fiebrig oder als unterkühlt wahr. Damit werden bei jedem gesunden und kräftigen Organismus bereits Regulationsmechanismen in Gang gesetzt. Kleinste Abweichungen von der Temperaturnormalität werden von unseren Wärmerezeptoren (Thermorezeptoren) registriert, und der Körper reagiert über seine Wärmeregulationszentren, um hier möglichst schnell Abhilfe zu schaffen.

Die Bedeutung von 37° als menschliche Betriebstemperatur

Dieser Umstand – das Registrieren und sofortige Regulieren einer Abweichung – ist keine Laune der Natur. Wir bemerken die Temperaturabweichungen, weil dies von großer Bedeutung für die Gesundheit in unserem Organismus ist: für unseren Stoffwechsel, für unseren Energiehaushalt, für Entgiftung und Entsäuerung, für die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff, für unsere Grundstimmung. Überall spielt die Temperatur eine bestimmende Rolle. Bisweilen eine Rolle mit entscheidender Bedeutung für unseren Organismus. Unsere Fieberthermometer sind auf ein Zehntel Grad Celsius geeicht, um diesem Umstand Rechnung zu tragen. Ein paar Zehntel können den Unterschied machen von krank oder gesund, von müde oder vital, von schwach oder stark und sogar von lebensfroh oder lebensmüde.

Aufwärmen für Höchstleistungen

Jeder Sportler weiß, wie wichtig es ist, sich »warm zu machen«. Vor jedem Wettkampf, vor jedem Fußballspiel sieht man die Sportler sich aufwärmen. Das Ritual des »Anschwitzens« ist nicht nur zur Vermeidung von Verletzungen eine notwendige Maßnahme. Ein Aufwärmen des gesamten Organismus macht die angestrebte Höchstleistung erst möglich. Eine um ein paar Zehntel Grad höhere Körpertemperatur macht möglicherweise den Unterschied aus zwischen dem Olympiasieg und einem zehnten Platz oder zwischen Sieg und Niederlage.

Im Körper geht es aber nicht nur um Muskel- und Schnellkraft wie im Wettkampf. Auch die Funktionen der inneren Organe sind von einer Betriebstemperatur abhängig. So wird auch unsere geistige Kraft von ausreichender Wärme und damit von guter Durchblutung und Nährstoffversorgung bewegt und motiviert. Oder glauben Sie, dass Sie verfroren an einer Bushaltestelle Ihr kreatives Potenzial ausschöpfen könnten? Fühlen Sie sich optimistischer im Frühling, aufgewärmt von den ersten Sonnenstrahlen? Oder steigt Ihr Optimismus frierend mit nassen und daher kalten Füßen? Ist Burn-out – das Ausgebranntsein – ein Problem der Körperwärme? Nach meinen Erfahrungen nicht nur, aber sicherlich auch, wie viele Messungen meiner Patienten mit einem Fieberthermometer immer wieder bestätigen. Temperaturmessungen von Menschen, die vom Burn-out-Syndrom oder von Depressionen betroffen sind, bestätigen diesen Zusammenhang mit zuverlässiger Konsequenz.

Niedrige Temperatur – vermehrte Stimmungstiefs

So haben Messungen meiner Patienten/innen immer wieder bestätigt, dass die Phasen der niedrigen Körpertemperaturen mit den subjektiv auch stärker ausgeprägten Phasen der depressiven Verstimmungen korrelieren. Menschen mit den niedrigsten Temperaturwerten bei Tagesbeginn berichteten von Stimmungstiefs am Morgen, die im Laufe des Tages leichter würden. Andere wiederum stehen leichter auf und haben ihr Stimmungstief am späteren Nachmittag oder abends. Die Messungen ergaben dementsprechend auch die niedrigsten Temperaturen in dieser Zeit. Konnten diese Temperaturtiefs mit einer Wärmezufuhr durch Infrarotmatten aufgefangen werden, wurden auch die Stimmungstiefs deutlich abgemildert.

 

Organ Wärmemessung

Dieses Bild mit dem Oberon zeigt die mangelnde Wärme in der Bauchspeicheldrüse. Die rote Linie hat zu viel Abstand zur blauen Linie.

Geeicht auf 37° C

Manch einer kann sich noch erinnern, dass im Chemieunterricht die chemische Reaktion von zwei Flüssigkeiten erst beim Erreichen einer spezifischen Temperatur vonstattengeht – mit einem Knall etwa oder dem Wechseln der Farben. Und natürlich weiß jeder, dass sich die Nudeln oder die Kartoffeln erst beim sprudelnden und daher kochenden Wasser von 100° C in eine essbare Form verwandeln. Wird diese Temperatur nicht erreicht, so gelingt auch der Kochvorgang nicht. Bestimmte enzymatische Reaktionen finden eben nur bei ganz spezifischen Temperaturen statt.

Dies ist in unserem Körper nicht anders. Unser Stoffwechsel ist geeicht auf 37° C. Schon einen Verlust von nur 1° C quittiert er mit einem Verlust von circa 50 Prozent unserer Enzymtätigkeit. Dies ist nur eine der gravierenden Folgen einer zu niedrigen Körpertemperatur, die sich neben vielen anderen Faktoren negativ auf Ihre Gesundheit auswirken können. Wer also durch Überlastung einer Bauchspeicheldrüse mit ungesunden Nahrungsmitteln sein Organ bereits »heruntergewirtschaftet « hat, produziert als Folge zu wenige Verdauungsenzyme. Diese verminderte Menge wird dann noch einmal halbiert bei einem Temperaturverlust von nur 1°. Die Konsequenz von verminderter Ausbeute der Nährstoffe und Mangelerscheinungen ist dann unvermeidbar. Solche Vorgänge werden gerne als »Alterserscheinungen« und natürlicher Abbau bezeichnet. Eine natürliche Körpertemperatur von 37° kann das verhindern und ist bestes »Anti-Aging«.

 

Uwe Karstädt Editor

Der bekannte Heilpraktiker und Gesundheitsautor trägt als Gastautor mit seinen Artikeln zu diesem Blog bei.

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