Unsere Altvorderen und unsere Großmütter wussten dies genauso wie die Mütter im asiatischen Teil unserer Erde: Wer einen warmen Magen hat, verdaut besser, da nur ein warmer Magen auf 37° optimal funktionieren kann.

Welche Ernährung wärmt den Körper?

Es gibt viele Missverständnisse darüber, welche Nahrungsmittel für uns als Menschen gut und richtig sind. Daraus ergeben sich dann die entsprechenden Diäten und Ernährungsrichtlinien. Die einen wollen nur pflanzliche Nahrung, die anderen eine gute Mischkost aus pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln. Andere gehen davon aus, dass alles möglichst roh gegessen werden sollte, und wieder andere befürworten die leichtere Verwertung von gekochten Speisen.

Meine eigenen Erfahrungen, die ich in den zurückliegenden 30 Jahren mit Tausenden von Patienten gewonnen habe, sind in meinem Buch Die Säure des Lebens ausführlich beschrieben. Viel Wert lege ich dabei auch auf die individuell erforderliche Wärmezufuhr durch Kraftsuppen und Nahrungsmittel, die uns in der Körperwärme unterstützen.

Wärmezufuhr individuell

Das individuell Erforderliche bezieht sich dabei auf die Konstitution, das Lebensalter, die tägliche Erwärmung durch die tägliche Bewegung und damit auch die Arbeit, die jeder verrichtet. Deshalb brauchen ein Fitnesscoach, ein Bauarbeiter oder ein Briefträger, die sich allein schon beruflich viel bewegen, im Gegensatz zu »Berufsdenkern« in sitzenden Beschäftigungen weniger wärmezuführende Nahrungsmittel.

Abgesehen von den Inhaltsstoffen und den Ernährungsrichtlinien, die im Einklang mit vielen der bedeutendsten Ernährungsspezialisten auf der ganzen Welt sind, wird die Aufnahme von Nahrungsmitteln und Getränken ganz entscheidend von einem Faktor bestimmt, der in fast keinen der bekannten Diäten beachtet wird. Oftmals ist er entscheidend, ob eine bestimmte Diätrichtung vertragen wird oder nicht.

Betriebstemperatur der Verdauungsorgane

Diesen Faktor sollte man nicht außer Acht lassen. Sie erraten es: Es handelt sich um die Betriebstemperatur der Verdauungsorgane. Jede Nahrung und jedes Getränk muss unsere Körpertemperatur annehmen, bevor der Körper mit der Verdauung beginnen kann. Jedes Aufwärmen einer Nahrung oder eines Getränkes auf Körpertemperatur verbraucht Energie und kühlt die Umgebung dementsprechend ab.

Um einen halben Liter Apfelschorle von 20° Zimmertemperatur auf 37° zu erhöhen, ist viel Energie nötig. Eine Apfelschorle aus dem Kühlschrank wird sogar noch um rund 10° kälter sein und benötigt dementsprechend mehr Energie zur Erwärmung. Einen halben Liter Flüssigkeit um 27° zu erwärmen ist kein Kinderspiel. Sie müssen diese  Erwärmung selbst und ohne Tauchsieder oder Herd zustande bringen. Dazu brauchen Sie ausreichende Körperwärme, denn wo soll diese zusätzliche Wärme herkommen, wenn nicht durch die Organe Ihres Körpers?

Ein Selbstversuch

In den USA wird Ihnen ungefragt zuerst ein Glas Eiswasser hingestellt, wenn Sie ins Restaurant kommen. Wenn Sie etwas essen wollen, müssen Sie also erst einmal das Kunststück vollbringen und ein Glas Wasser von 1° auf 37° anwärmen – falls Sie diesem absurden Ritual folgen wollen. Versuchen Sie doch einfach mal, ein Glas Wasser aus dem Kühlschrank mit Ihren Händen auf 37° zu erwärmen. Da werden Sie merken, wie langsam das geht beziehungsweise wie viel Wärme dieses Unterfangen Ihren Händen entzieht. Mit diesem Selbstversuch können Sie sich vorstellen, wie es in Ihrem Magen aussieht und wie viel Energie beziehungsweise Wärme dieses kalte Getränk Ihrem Magen und infolge davon den umgebenden Organen entzieht: dem Darm, der Lunge, dem Herz, der Bauchspeicheldrüse und der Leber.

Die Hände, die Sie bei diesem Selbstversuch mit dem halben Liter kalter Flüssigkeit abkühlen, entsprechen in Ihrem Körper den Organen, die den Magen umgeben. Diese Organe arbeiten aber selbst am effektivsten, wenn sie die richtige Betriebstemperatur haben. Asthmatiker kennen das Phänomen: Das Asthma verschlechtert sich rapide direkt nach dem Genuss von eiskalten Getränken. Aus diesem Grund trinken viele Asthmatiker schon aus eigener und oft leidvoller Erfahrung keine kalten Getränke mehr.

Untertemperatur hat sich eingebürgert

Aber mal ganz ehrlich: Wollen Sie wirklich Ihr Herz runterkühlen? Wollen Sie auf eine optimal arbeitende Bauchspeicheldrüse mit den wunderbaren Verdauungsenzymen verzichten? Brauchen Sie keinen Darm mit einer 100-prozentigen Funktion? Und auch wenn Sie kein Asthma haben: Können Sie es sich leisten, ohne bestmögliche Versorgung mit Sauerstoff aus Ihren Lungen dazustehen?

Leider hat sich diese – aus gesundheitlicher Sichtweise – Unsitte auch bei uns eingebürgert. Kalte Milch auf die Cornflakes oder auf das Müsli am Morgen, ein Glas Orangensaft aus dem Kühlschrank sind oft Bestandteil eines »gesunden« Frühstücks. Im Laufe des Tages kommen dann bei der jüngeren, aber auch der nicht mehr ganz so jungen Generation die Softdrinks, das Wasser, die Fruchtsäfte und Fruchtschorles, Eistees oder das kalte Bier dazu. Wann sind Sie zuletzt ins Restaurant gegangen und haben ein »Warmgetränk« wie Tee oder eine
heiße Zitrone bestellt (außer dem Espresso hinterher) und nicht etwas aus der üblichen Kategorie der gekühlten Getränke?

Steckt vielleicht hinter der Idee einer Vorsuppe, einer Rinderbrühe, einer Bouillon oder einer Tasse Gemüsesuppe etwas mehr als nur ein Ritual? Natürlich ist das so. Unsere Altvorderen und unsere Großmütter wussten dies genauso wie die Mütter im asiatischen Teil unserer Erde. Wer einen warmen Magen hat, verdaut besser, da nur ein warmer Magen auf 37° optimal funktionieren kann.

Was hat das Oktoberfest mit Untertemperatur zu tun?

Wenn man wie ich in München wohnt, kann man das Ritual einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Ernährungsweise jedes Jahr auf dem Oktoberfest beobachten. Vor dem Verzehr eines nicht ganz einfach zu verdauenden Hühnchens, einer Ente oder einer Schweinshaxe werden die Oktoberfestbesucher aufgefordert, sich erst einmal den Magen mit einer Mass Bier abzukühlen. Denn dieses Bier ist naturgemäß kalt und demzufolge auch der Magen. Dass die Mahlzeit dann wie ein Stein im Magen liegen bleibt, ist also nicht verwunderlich. Wie gut, dass es danach eine Möglichkeit gibt, dieses unangenehme Gefühl im Magen zu betäuben. Ein oder zwei Schnäpse, und schon wirkt die Narkose fabelhaft. So kann es weitergehen mit der nächsten Mass Bier! Auf der Strecke bleibt natürlich die Verdauung. Gott sei Dank ist das Oktoberfest zu teuer, um sich das allzu oft leisten zu können. Es ist eben ein Ausnahmezustand!

Wärmen Sie mal 2-3 Liter pro Tag auf

Bedauerlicherweise sind die folgenden Tatsachen keine Ausnahmen. Wir sprechen von der täglichen, mehrmaligen Aufnahme von insgesamt rund 2‒3 Litern Flüssigkeiten. Der Konsum von kalten oder eiskalten Getränken ist für die meisten Menschen leider die Regel. Und das über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Zusammen mit den anderen Gründen für eine Reduzierung der Körperwärme spielen die kalten Getränke also eine nicht unerhebliche Rolle.

 

Hier lesen Sie die ersten beide Teile:

 

Uwe Karstädt Editor

Der bekannte Heilpraktiker und Gesundheitsautor trägt als Gastautor mit seinen Artikeln zu diesem Blog bei.

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No Thoughts on Ursachen von Untertemperatur – Teil 3: Kalte Getränke

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