Kälte im Magen führt zu Verdauungsproblemen und damit wiederum zu einer Unterversorgung des Körpers mit Wärme und Nährstoffen. Welche Konsequenzen ein niedriges Verdauungsfeuer hat, zeigt dieser Blogartikel auf.

Optimale Betriebstemperatur

Enzymatische Reaktionen im Körper finden immer nur dann statt, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist. Ein Magen braucht nun mal neben einer ausreichenden Magensäure und den Verdauungshilfen wie den Pepsinen auch eine optimale Temperatur, um die gegessene Mahlzeit überhaupt und optimal zu zerlegen. Diese Aufschlüsselung stoppt sofort, wenn Sie kalte Flüssigkeit dazugeben.

Magensaftverdünnung kann verheerend sein

Bis zur Wiederherstellung der »Betriebstemperatur« wird der Verdauungsvorgang unterbrochen. Bildlich können Sie sich das so vorstellen, als würden Sie kaltes Wasser ins Nudelwasser geben. Die Kochzeit der Spaghetti wird demgemäß länger dauern. Dementsprechend tut es der Verdauung gar nicht gut, wenn sie immer wieder durch Zuführung von kalten Getränken unterbrochen wird. Davon abgesehen wird auch die Magensäure mit einer Apfelschorle, einem Wasser oder einem kühlen Bier verdünnt. Ein Stopp der Verdauungsenzyme und die Magensaftverdünnung wirken sich auf Dauer verständlicherweise nicht gut, bisweilen sogar verheerend auf unsere Gesundheit aus.

Fäulnisprozesse im Magen

Was sind die Konsequenzen? Nahrung, die zu lange im Magen verweilt, fängt an zu gären oder zu faulen, je nachdem, ob es sich um Kohlenhydrate oder um Eiweiß handelt. Aufstoßen und Sodbrennen können entstehen, was eine Verätzung der Speiseröhre zur Folge haben kann. Auch weiter aufwärts kann es zu Reizungen kommen. So leiden Stimmbänder und der Hals-Rachen-Bereich unter Entzündungen, wenn diese Gase aufsteigen. Sie werden heiser oder merken ein ständiges Kratzen im Hals.

Bis hin zu Asthma

Werden diese Gär- und Fäulnisgase aus dem Magen eingeatmet, können sie sogar Asthma auslösen oder zu chronischer Bronchitis führen. Dies ist gar nicht selten der Fall. Ein Abendessen mit Bier oder einem anderen Kaltgetränk führt nach ein paar Stunden zu Gärungsgasen, die dann im Schlaf eingeatmet werden und somit die Atmungsorgane entzünden können. Auslöser für Asthma kann hier also auch eine Funktionseinschränkung des Magens durch mangelnde Magensäure oder fehlende Körperwärme sein.

Übersäuerung des Gewebes

Eine weitere Konsequenz ist eine Übersäuerung des Gewebes, die sogenannte Azidose. Ein Mangel an Magensäure führt also auch zur Übersäuerung des Körpers. Bitte verwechseln Sie hier nicht den Mangel an Magensäure mit einem Mangel an Säuren im Gewebe! Viele Menschen wissen nicht, dass auch die beste basische Ernährung bei einem Magensäuremangel sauer verstoffwechselt wird. Aus diesem Grunde sehe ich immer wieder gerade Rohköstler mit einer gravierenden Gewebsazidose – einer Übersäuerung des Gewebes –, die sich mit der rohen und daher kalten Nahrung und dem daraus resultierenden Unvermögen einer schnellen Verdauung gerade erst in diesen Zustand hineinmanövriert haben.

Folgen von Rohkost

Wer verträgt Rohkost am besten? Es sind oft die warmen, energiereichen Konstitutionen, Menschen, die sich allein schon beruflich viel bewegen und über genügend »Feuer« im System verfügen. Sehen Sie mal auf den Büchern für Rohkost und vegane Kochkunst nach. Meistens sind die Verfechter, die damit gut klar kommen, junge und dynamische Persönlichkeiten mit starkem »Verdauungsfeuer«. Wenn Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, rate ich Ihnen nur eingeschränkt zu Rohkost: Es sollte nur einen Teil Ihrer Ernährung abdecken und nicht den überwiegenden beziehungsweise ausschließlichen Anteil.

Mangel an essenziellen Nährstoffen

Als eine weitere negative Konsequenz aus der Kälte im Magen ist der Mangel an essenziellen Nährstoffen zu nennen. Dieser tritt zwar nicht unmittelbar auf, ist aber auf lange Sicht gravierend. Das mangelhafte Vorhandensein von Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Spurenelementen ist eine nicht immer leicht zu diagnostizierende Krankheitsursache. Er tritt leider auch dann auf, wenn man eigentlich gute und nährstoffreiche Nahrung zu sich nimmt.

Mangel an Verdauungsfeuer

Es fehlt eben an der so wichtigen Aufschlüsselung und Aufnahme dieser Nährstoffe. Die Ursache: Kälte in den Verdauungsorganen und Mangel an der Bereitstellung der Verdauungssäfte. In der Ayurvedischen Medizin sowie in der Traditionellen Chinesischen Medizin nennt man es einen Mangel an Verdauungsfeuer, ein Hinweis auf die fehlende Wärme im Magen, im Darm und in der Bauchspeicheldrüse. Beide – jahrtausendealte – medizinischen Traditionen sind aus gutem Grund keine Verfechter der Rohkost, sondern plädieren für die leichter aufzunehmende
Ernährung, die schonend gekocht wurde mit einem kleineren Anteil an frischen, rohen Zutaten.

Kälte in unseren Verdauungsorganen

Was für kalte Getränke gilt, trifft auch auf kalte Nahrung zu. Alles, was wir direkt aus dem Kühlschrank essen, kühlt unseren Körper ab. Vor allem die Nahrungsmittel, die wir ohne große Kauleistung schlucken können, tragen Kälte in unsere Verdauungsorgane. Dazu gehören Joghurt, Kefir, Quark und alle Puddings sowie andere gelöffelte Fertigspeisen, aber auch Smoothies, Fruchtnektare und Säfte. Was bewahren Sie noch im Kühlschrank auf? Gurken, Äpfel, Orangen und alle Südfrüchte. Dazu kommen die Wassermelonen, Cantaloupes und Honigmelonen, die man nach nur fünf Kaubewegungen schlucken kann.

Langes Kauen ist essentiell

Speisen sollten jedoch generell gut gekaut und eingespeichelt werden. Langes Kauen wärmt die Nahrungsmittel an. Mit einem intensiven Kauvorgang wird die Nahrung aufgeschlüsselt, zerkleinert und mit dem Speichel optimal in Kontakt gebracht. Der Verdauungsvorgang beginnt nämlich bereits im Mund, beim Kauen.

 

Hier lesen Sie die ersten drei Teile:

Uwe Karstädt Editor

Der bekannte Heilpraktiker und Gesundheitsautor trägt als Gastautor mit seinen Artikeln zu diesem Blog bei.

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