Der Weg zum gesunden Rücken mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Runter vom Sofa – Rücken stärken! Rückenprobleme gehörten in Deutschland bereits vor Corona zur Volkskrankheit Nummer eins; doch das Ausmaß könnte sich durch das verstärkte Rumlümmeln auf dem Sofa vervielfachen. 

Rückenschmerzen und die unterschiedlichsten Ursachen

Man könnte ihn schon fast den Papst unter den Rückenspezialisten nennen. Denn Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer hat bereits zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlicht, die sich größtenteils auf radiologische und kardiologische Diagnostik, minimal-invasive Therapie und die Mikrotherapie beziehen.

Der Experte weiß: Rückenschmerzen haben die unterschiedlichsten Ursachen, wodurch herkömmliche Rückenprogramme, welche einzig auf den Körper ausgerichtet sind, nicht dauerhaft helfen. Für den Mediziner stehen für einen dauerhaft gesunden Rücken vor allem eine veränderte Einstellung zum Problem und insbesondere Entspannung im Vordergrund. Der Schlüssel für einen gesunden Rücken ist eine gezielte Bewegung. Und damit das Rückentraining von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer auch langfristigen Erfolg zeigt, setzt er in seinem Programm ganz individuell an. Das sogenannte „bio psycho soziales modell“ beispielsweise, ist wie ein Trainingsbaukasten zusammengesetzt, aus welchem sich jeder Einzelne sein individuell passendes Übungsprogramm zusammenstellen kann, dass zum jeweiligen Lebensstil passt. Prof. Dr. Grönemeyer legt dabei großen Wert darauf, traditionelles Heilwissen mit modernen Trainingsmethoden zu kombinieren, sodass alle Altersklassen den Mut und die Motivation finden, sich wieder mehr zu bewegen. 

Rückenschmerzen als Volkskrankheit – warum?

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet öfter oder ständig unter Rückenschmerzen, wobei etwa 80 % laut Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer auf eine verspannte oder unzureichende Muskulatur zurückzuführen sind. Bei den meisten Betroffenen liegt dies an mangelnder oder falscher Bewegung. Heutzutage sitzen die Menschen viel, arbeiten am Computer bzw. im Büro und die wenigsten achten dort auf eine gesunde Rückenhaltung. Dadurch verspannen sich unsere Muskeln, welche wichtig sind, um die Wirbelsäule zu stützen und einen Großteil des Gewichts abzufedern. Besonders gefährdet sind Patienten mit Übergewicht, so Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer in einem Interview.

Darüber hinaus spielt, wie bei allem im Leben, auch die Psyche eine entscheidende Rolle. Der Rücken muss quasi alles tragen. Unser Gewicht aber auch seelische Belastungen und den Stress, gegen welchen wir in unserem Alltag versuchen anzukämpfen. Wer unter hoher Belastung steht, zieht laut Prof. Dr. Grönemeyer automatisch die Schultern nach oben. Durch diese natürliche jedoch unbewusste Abwehrhaltung spannen sich unsere Faszien als Teil eines Verteidigungs- bzw. Fluchtreflexes an. Diese Verspannungen sollten mit beispielsweise Bewegung und/oder Wärme oder Massagen gelöst werden. Passiert das nicht, kann es irgendwann richtig wehtun.

Talk mit Mediziner Professor Dr. Dietrich Grönemeyer über Rückenschmerzen

 

 

Es wird zu schnell operiert

In seinem Buch „Mein großes Rückenbuch“ geht Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer unter anderem auf das Problem ein, dass bei uns in Deutschland, in Bezug auf Rückenprobleme, viel zu schnell operiert wird. Und auch hier erwähnt der Mediziner wieder explizit eine ausreichende Bewegung, die individuell angepasst werden muss. Zusätzlich, so sagt er, können leichte Schmerzmittel, Wärmebehandlungen und Physiotherapie (Massagen) angewendet werden, um die Schmerzen zu lindern. Laut Prof. Dr. Grönemeyer reichen die Heilungsmethoden vom regelmäßigen Schwimmen über Massagen, Akupunktur, Osteopathie bis hin zur Psychotherapie oder einer ambulanten Mikro Therapie oftmals schon aus, um die Rückenprobleme zu beheben. Natürlich gibt es Fälle, in denen eine Operation dringend notwendig ist. Bevor diese jedoch vorgenommen wird, sollten erst alle anderen, individuell angepassten Behandlungsmethoden versucht werden.

Was tun bei akuten Schmerzen?

Bei akuten Schmerzen handelt es sich in den meisten Fällen um eine Verspannung einzelner Faszien oder Muskeln. Eine heiße Dusche, ein Bad, Bewegung, Massagen oder lokale Kältekompressen helfen in diesem Fall laut Prof. Dr. Grönemeyer bereits häufig. Darüber hinaus, können leichte Schmerzmittel unterstützen, da sie dabei helfen, beweglich zu bleiben. Der Mediziner weist aber darauf hin, dass solche Medikamente nicht länger als einen Tag eingenommen werden sollten. Wichtig ist allerdings, die Schmerzen loszuwerden. Denn wer über längeren Zeitraum Schmerzen hat, nimmt automatisch eine Schonhaltung ein, welche wiederum zu einer Zunahme der Verspannung führt.

Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn eine bewusste Körperhaltung oder Bewegungen nichts am Grad oder der Lokalisation der Schmerzen ändern bzw. diese stärker werden. Weitere Symptome können akute Muskelschwäche, Verdauungsprobleme, Störungen beim Wasserlassen und Fieber sowie ein Taubheitsgefühl sein – auch hier alsbald einen Arzt aufsuchen. Sollten die Rückenschmerzen bereits chronischer Natur sein, ist aufgrund der vielfältigen möglichen Ursachen eine Analyse durch ein interdisziplinäres Ärzteteam nötig, um im Anschluss einen individuellen Therapieansatz erstellen zu können.

Eine Operation sollte laut Professor. Dr. Grönemeyer immer die letzte Wahl sein, abgesehen von Notfällen.

 

Dieser Artikel ist erschienen bei Horizonworld.

 

Prof. Dr. Grönemeyer empfiehlt Wärme für den Rücken. Dazu mehr in diesem Beitrag: