Wir können nicht aus unserer Haut, selbst wenn wir es wollten und uns anstrengen. Wir haben immer noch den Stoffwechsel eines Jägers und Sammlers. 

Du bist, was du isst

Der bekannte Spruch »Du bist, was du isst« beschreibt in Kürze den komplexen Vorgang, in dem die Nahrung in unseren Körper umgewandelt wird. Vom Tage unserer Geburt an transformiert unser Organismus die aufgenommenen Nährstoffe. Es entstehen daraus Zellen, Gewebe und Organe. Die Nahrung wird in ihre Einzelteile zerlegt und als unser Körpergewebe wieder zusammengebaut.

Gesunde, unbelastete und »artgerechte« Ernährung sollte daher die Bausteine für einen gesunden und unbelasteten Organismus liefern. Dennoch kommt es nicht selten vor, dass Menschen trotz einer korrekten Ernährung Verdauungsprobleme bekommen. Die richtige Nahrungsmittelauswahl ist also nur eine der Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Daneben gibt es weitere, die dann auch ganz entscheidend daran beteiligt sind, ob es uns gut oder schlecht geht.

Nun streiten sich bekanntlich die Geister darüber, was »artgerecht « und natürlich für unseren menschlichen Körper ist. Rohkost oder doch mehr gekochte Speisen? Veganer und Mischköstler sind aus unterschiedlichen Beweggründen und Argumenten ja deutlich gegensätzlicher Meinung. Dabei kann ja für den Stoffwechsel eigentlich nur eins entscheidend sein: wie der Mensch sich in den letzten 300 000 –500 000 Jahren ernährt hat. Und einer solchen Ernährung sollten wir uns heute im Wesentlichen wieder annähern, um zu einer robusten Konstitution zurückzukehren.

Ein entscheidender Faktor sollte dabei ein möglichst geringer Lektingehalt sein. Eine lektinarme Ernährung ist keine »Modediät«, sondern orientiert sich an unserer Evolution. An Lektine, die wir erst mit einer veränderten Lebensweise kennengelernt haben, wie die im Getreide (2000 –10 000 Jahre) und in den Nachtschattengewächsen (300 –500 Jahre), sind wir eben noch nicht gut »akklimatisiert«.

Die Evolution der menschlichen Ernährung

Wir Menschen sind nun einmal geprägt durch die Lebensweise unserer Vorfahren. Die körperlichen Vorgänge – der sogenannte Stoffwechsel – haben sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende in einem evolutionären Auswahlverfahren entwickelt. Dies geschah immer im Einklang mit der uns umgebenden Natur und dem entsprechenden Nahrungsangebot. Vom alten Bild des Savannenläufers, der jeden Tag um sein Überleben kämpfen musste, haben wir uns allerdings mental, kulturell und durch die unglaublichen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte – ach, sagen wir mal der letzten Jahrzehnte – ziemlich wegentwickelt.

Nun bedeutet ein Überlebenskampf nicht automatisch, dass sich unsere Vorfahren ständig in Panik und Angst gegen wilde Bestien und andere Feinde wehren mussten. Sie waren also nicht ständig bedroht von Säbelzahntigern, Vulkanausbrüchen, Dürreperioden und Eiszeiten. Vielmehr wäre unser heutiger Lebensstil für diese Nomaden, Jäger und Sammler Anlass, in Panik auszubrechen! Unser Organismus, die Organe, unsere Psyche, unsere Ernährung haben sich trotz dieser rasanten Entwicklung unserer Umwelt nicht grundlegend verändert. Auch wenn wir uns heute als Schreibtischtäter nur noch einen Bruchteil dessen bewegen wie noch vor ein paar Hundert Jahren, so bleiben wir dennoch auf der körperlichen Ebene Jäger und Sammler und könnten spielend täglich 20–30 Kilometer laufen. Das Ausharren auf einem Schreibtischstuhl muss immer wieder mühsam erlernt werden. Fragen Sie Ihre Kinder und deren Lehrer und Lehrerinnen!

Wolf bleibt Wolf, Jäger bleibt Jäger

Anderen Lebewesen und Tieren geht es nicht anders. Ein Hund – ob Windhund, Foxterrier oder Mops – bleibt im Grunde seines Wesens immer ein Wolf. Wer also die Grundpfeiler des menschlichen Lebens missachtet, missachtet die Natur. Und wer seine Natur nicht würdigt, zahlt mit dem Verlust von Gesundheit und Vitalität. Diese Rechnung ist so einfach! Und sie ist ein Naturgesetz.

Wer nur noch mit glasigen Augen vor dem Notebook sitzt, jede freie Minute mit dem Handy herumdaddelt oder sich die Nächte mit Blaulicht um die Ohren schlägt, ist eben völlig raus aus einer Ordnung und einem natürlichen Leben. Anstatt dies in der Schule als wichtiges Fach zu lehren, wird uns vorgegaukelt, wir könnten die Naturgesetze umgehen und mit ihnen spielen. Aber genau das können wir nicht! Naturgesetze gelten für jeden.

Die Rückbesinnung und das Einhalten von Naturgesetzen geben den Impuls für das Wiedererlangen der Ordnung. Solche Ordnungsprinzipien finden wir gespiegelt in unberührter Natur, im Schlaf- und Wachrhythmus, in ursprünglichen sozialen Verbänden wie Familien oder Sippen – oder eben in einer natürlichen Ernährung. Wer diese Ordnung wieder ins Leben integriert, schafft die Basis für Heilung oder noch einen Schritt davor: Er legt die Grundlage für ein gesundes, zufriedenes und freudvolles Leben.

Wir können nicht aus unserer Haut, selbst wenn wir es wollten und uns anstrengen. Wir haben immer noch den Stoffwechsel eines Jägers und Sammlers. Selbstverständlich gibt es da die unterschiedlichsten Ausprägungen. Manche Menschen neigen mehr zur Jägerseite und die anderen mehr zum Sammler vegetarischer Nahrung. Dementsprechend will und braucht der Mensch, der mehr zur Jägerseite neigt, mehr tierisches Eiweiß und Fett, und der Mensch, der mehr zur Sammlerseite neigt, verlegt sich mehr auf Pflanzenkost. Beide brauchen aber – und das sei hier betont – immer auch beides. Und wie so oft bestätigen hier Ausnahmen die Regel.

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Dieser text ist ein Auszug aus dem Buch „Natürlich werden Sie gesund“

 

 

Uwe Karstädt Editor

Der bekannte Heilpraktiker und Gesundheitsautor trägt als Gastautor mit seinen Artikeln zu diesem Blog bei.

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