Warum lachen so wichtig ist

Sophie Scott, Neurowissenschaftlerin und Alleinunterhalterin, erklärt in einem TED Talk die Komplexität und die gesellschaftliche Bedeutung des Lachens.

Wie bringt man ein Publikum aus Wissenschaftlern zum Lachen? Für Sophie Scott, ist die Antwort einfach: Audioclips von sich schlapplachenden Menschen abspielen, denn Lachen ist ansteckend.

Für Sophie ist das allerdings mehr als nur ein gute Möglichkeit das Eis zu brechen. Sie erforscht am University College London (UCL) im Vereinigten Königreich die Neurowissenschaft des Lachens. Dabei untersucht sie sowohl den physischen Prozess des Lachens, als auch den sozialen Zweck: Wie nutzen wir Lachen in Beziehungen? Lachen sei nicht nur lustig, erklärt Sophie sondern auch unglaublich nützlich.

 

 
 
Stellen Sie sich vor, Sie reisen in ein fremdes Land, in dem Sie weder die Sprache sprechen, noch mit der Kultur vertraut sind – wie ist dann eine Kommunikation möglich? Tatsächlich gibt es nur einige wenige universelle Ausdrücke und Gesten. Die meisten Menschen erkennen Furcht und Ekel. Aber Freude? Oder Genuss? Eine positive Emotion ist allerdings, wie Sophie gezeigt hat, universell: das Lachen. Ihre Forschung führte Sophie in die Savanne in Afrika. Wenn sich dort ein Jäger dumm vorkommt oder er verlegen ist, beginnt er zu lachen. Und kurze Zeit später lachten Sophie und ihr Forscherteam einfach mit.
 
Zurück vor ihrem Publikum verwendete Sophie Audioclips, um ihre Zuhörer zum Lachen zu bringen. Dabei sei es nicht nur die Tonspur, die uns mitlachen lässt, sagt Sophie, auch die Reaktionen unserer Nachbarn und Kollegen in unserer Nähe sind wichtig. Es liegt nahe zu denken, dass wir über Witze lachen. Hauptsächlich lachen wir jedoch, um mit anderen Menschen zu interagieren. Ein Charakterzug, der sich quer durch alle Säugetiere, von Primaten bis zu Ratten, zieht. Lachen ist dabei immer eine Art von Spiel. “Es ist ein sehr soziales Verhalten”, erklärt Sophie. Wir interagieren durch Sprechen mit anderen Menschen – das ist jedoch eine ausschließlich menschliche Fähigkeit. Außerdem nutzen wir das Lachen, also eine sehr alte Verhaltensweise aller Säugetiere, um Menschen zu zeigen, dass wir sie mögen.
 
Wann immer man jemanden lachen höre, aktiviere das Gehirn die Neuronen und bereite sich darauf vor, mitzulachen, so Sophie. Wir sind darauf getrimmt, mitzumachen. Es gibt zwei Arten des Lachens: das unwillkürliche Lachen, bei dem man kaum atmen kann, und ein „gefälschtes“ Lachen, das als soziales Schmiermittel verwendet wird. Sophie hat gezeigt, dass auch dieses „gefälschte“ Lachen das Gehirn aktiviert. Und das, obwohl beide Typen sich in ihren physischen und neurologischen Signalen unterscheiden. Sophies Forschung hat nicht nur gezeigt, dass beide Arten des Lachens unsere Neuronen aktivieren, sondern auch, dass das „falsche“ Lachen zum Nachdenken anregt: Unser Gehirn versucht dann zu verstehen, warum eine andere Person lacht und wie wir reagieren sollten.
 
Lachen ist also eine Art soziales Werkzeug, durch das wir verschiedene Emotionen übermitteln. Es verbindet uns mit anderen Menschen und zeigt, dass wir keine Gefahr darstellen. Und obwohl wir zwischen „falschem“ und „richtigem“ Lachen unterscheiden können, sagt Sophie, sei das „falsche“ Lachen mit seiner sozialen Rolle nützlich
 
Sophies Meinung nach, unterschätzen wir, wie viel wir Lachen – auch wenn wir es jeden Tag zum Fördern von Bindungen und zur Deeskalation von Konfrontationen und negativen Emotionen verwenden. Für alle, die sagen, dass sie Leute mögen, die einen zum Lachen bringen, hat Sophie ein aufschlussreiches Resümee: Statt Leute zu mögen, die uns zum Lachen bringen, lachen wir mit anderen Menschen, gerade weil wir sie bereits mögen.
 
Lachen aus der Sicht von Verhaltens- und Neurowissenschaftlern zu verstehen, ist also mehr als über Witze nachzudenken. Es ist ein wichtiges Verbindungsglied zwischen der menschlichen Sprache, Beziehungen und emotionalen Gemütszuständen. Suchen Sie also nicht nur nach Menschen mit gutem Humor, wenn Sie ein Dating-Profil ausfüllen. Seien Sie aufmerksam, ob Sie und Ihre Verabredung gerne gemeinsam lachen.
 

Dieser Beitrag ist erschienen auf der Webseite Science in School.

Die Autorin Laura Howes ist eine der Editoren von Science in School. Sie hat Chemie an der Universität von Oxford, UK, studiert und ist anschließend einer Gelehrtengesellschaft im UK beigetreten. Dort hat sie begonnen im Bereich der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und dem Journalismus zu arbeiten. 2013 ist Laura nach Deutschland gezogen, dem European Molecular Biology Laboratory und Science in School beigetreten.

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