Filmtipp: Grenzgänger oder mein Großvater war ein Quantenphysiker

,

Als Grenzgänger zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit plädiert der Physiker und Heisenberg-Nachfolger Hans Peter Dürr  nicht nur für eine neue Ethik in den Naturwissenschaften, sondern er greift Themen auf, die unsere globale Situation in einem veränderten Licht erscheinen lassen.

Überlebensfragen der Menschheit

Die zweckfreie Grundlagenforschung drängte Hans Peter Dürr (1929-2014) zurück zugunsten einer praktisch orientierten Erforschung der Überlebensfragen der Menschheit. Unser Umgang mit der Natur ist von krassen Widersprüchen gezeichnet: Hier wird an der Neuerfindung des Lebewesens genetisch gearbeitet, dort für den Schutz der gefährdeten Natur gekämpft. Zum einen hält sich der Mensch für Gottvater, zum anderen sieht er sich als Opfer bedrohlicher Naturveränderungen. Können wir unser Verhältnis zur Natur normalisieren?

Für Dürr ergab sich daraus die Notwendigkeit eines neuen Naturverständnisses vor allem in Politik, Technik und Wirtschaft. Unser Handeln darf nicht auf Ausbeutung, Überwindung und Beherrschung der Natur ausgerichtet sein, sondern auf volle Kooperation mit der Natur. Denn: Die Natur kann letztlich ohne den Menschen leben, aber der Mensch nicht ohne die Natur.

 

Die Bestohlene ist unsere Natur

Der enorme Aufschwung der Wirtschaft in den industrialisierten Ländern beruht bei dieser Betrachtung gewissermaßen auf einer Bankraub-Mentalität. Wertschöpfung und Produktivität orientieren sich, bildlich gesprochen, an der Investition von immer besseren, raffinierteren und meist auch teureren Schweißgeräten, mit denen immer dickwandigere Naturtresore mit großen, in der Vergangenheit angesammelten natürlichen Schätzen wie Kohle, Erdöl etc. aufgebrochen werden. Die Bestohlene ist unsere Natur, die nicht nur unsere Umwelt, sondern unsere Mitwelt ist, in die wir auf komplexe Weise existentiell eingebettet sind. In gewisser Weise berauben wir uns also selbst.

Filmtipp: Grenzgänger oder mein Großvater war ein QuantenphysikerPassionierter Grenzgänger

Hans-Peter Dürr bot als Denker, Wissenschaftler, Aktivist und selber Suchender vielen Menschen eine Orientierung und wurde mit zunehmendem Alter immer mehr zu einer moralischen Instanz in einer zunehmend krisengeschüttelten Welt. Auch wenn er die Grenzen der Physik als akademische Disziplin immer wieder überschritt, sprach der Quantenphysiker und Alternative Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr immer auch als Naturwissenschaftler.

Sein Antrieb, Physiker zu werden und insbesondere zu den Atomen, den Atomkernen und Elementarteilchen hinabzusteigen, entsprang nach Krieg und Zusammenbruch dem Wunsch, „zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dass Hans-Peter Dürr auf dem Wege hinunter „ins Innerste der Welt“ nicht nur „Philosophen“ wie dem Nobelpreisträger Werner Heisenberg begegnete, sondern mit Edward Teller auch Kernphysikern, die Atombomben bauten, war nicht seine Absicht. Es war aber Grund und Anlass für ihn, ein „passionierter Grenzgänger“ zu werden.

Filmtipp: Grenzgänger oder mein Großvater war ein Quantenphysiker

Ambivalenz der Forschung

Ihm wurde die Ambivalenz der Forschung deutlich: dass tiefe Einsichten auch unmittelbar zu Kenntnissen führen, die unsere Lebenswelt einschneidend verändern, ja sie zerstören können.
Die Erkenntnisse aus der modernen Quantenphysik, die in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das naturwissenschaftliche Weltbild revolutioniert haben, jedoch bislang spurlos in unserem Alltagsverständnis von Natur geblieben sind, wiesen für ihn den Weg in die Zukunftsfähigkeit. Dieses „Neue Denken“ mit den darin enthaltenen konstruktiven Gestaltungsmöglichkeiten zu vermitteln – das war sein Anliegen.

Ohne ein Wort Kommentar folgt der Film in sehr unterhaltender und spannender Erzählweise der persönlichen und wissenschaftlichen Biographie des Quantenphysikers Hans Peter Dürr (1929-2014). Metaphern- und bildreich werden uns seine Gedanken spielerisch vor Augen geführt.

1987 wurde Hans Peter Dürr der alternative Nobelpreis verliehen.

Filmtipp: Grenzgänger oder mein Großvater war ein Quantenphysiker

Über den Produzenten

Seit über 30 Jahren dreht Bertram Verhaag im Rahmen seiner eigenen Produktionsfirma DENKmal-Film Verhaag Dokumentarfilme. In drei Jahrzehnten entstanden etwa 120 Filme. Dazu zählen acht abendfüllende Kinoproduktionen. Konsequent, beharrlich und nachhaltig fühlt er sich als Produzent, Autor und Regisseur ausschließlich politischen, umweltpolitischen und sozialen Themen verpflichtet.

Der Film ist beim DENKmal-Film Verhaag GmbH erhältlich auf deutsch.

Mehr zum Film: http://www.derbauerundseinprinz.de/index.php

Technische Daten

Länge 95 Min
Verfügbare Sprache Deutsch
Jahr 1997
FSK INFO-Programm Gemäß §14 JuSchG
ISBN 978-3-935573-49-8

Der Film Grenzgänger – oder mein Großvater war ein Quantenphysiker ist erhältlich bei denkmal.film

Quelle: Neues Denken für eine Welt im Umbruch: Zum Tode von Hans-Peter Dürr

Weiter Filmempfehlungen für Filme von Bertram Verhaag:

 

Rainer Kitza Administrator
Autor

Als Autor dieses Blogs teile ich gerne meine Erfahrung und mein Wissen über Gesundheit und Heilung, das ich durch Studium und Erfahrung in vielen Jahren gesammelt habe.

Alle Beiträge von Rainer Kitza anschauen