Auf einem Planeten, der zu 70 Prozent aus Wasser besteht, ist der Gebrauch von Glyphosat gleichzusetzen mit einer Brunnenvergiftung im Mittelalter. Mit der massenweisen Verwendung von Glyphosat verzeichnen wir einen Anstieg vieler chronischer Krankheiten. Wie hängt das miteinander zusammen?

In einer Reihe von drei Beiträgen lesen Sie einen zusammengefassten Auszug aus Uwe Karstädts neuem Buch Elektrosmog und Glyphosat.

Auf einen Blick
  1. Glyphosat ist eine antimikrobiell wirksame Substanz, die 2010 als Antibiotikum registriert und patentiert wurde; das Eiweißmolekül befindet sich vor allem als Unkrautvernichtungsmittel in unserem Nahrungs- und Wassersystem.
  2. Als starker mineralischer Chelator zieht Glyphosat die lebenswichtigen Mineralien aus jedem Gewebe, mit dem es in Berührung kommt.
  3. Mit der massenweisen Verwendung von Glyphosat verzeichnen wir einen Anstieg vieler Krankheiten wie Diabetes und Demenz.
  4. Wir nehmen Glyphosat über verschiedene belastete Träger auf: Nahrung, Luft, Wasser, Kleidung; wir können dieses Gift zwar stark reduzieren, jedoch nicht ganz vermeiden.
  5. Neben einigen anderen gesundheitsschädlichen Wirkungen stört Glyphosat unsere natürliche Darmflora, was einen massiven Eingriff in das Immunsystem darstellt, und raubt uns zusätzlich wichtige Nährstoffe.

»Roundup« bis zu 1.000-mal toxischer als Glyphosat

Dieses Molekül namens Glyphosat, das immer noch vielen Menschen nicht bekannt ist, ist der aktive Wirkstoff in »Roundup«, dem weltweit meistverkauften Herbizid. Glyphosat beziehungsweise Roundup (ein Komplex verschiedener Inhaltsstoffe zur Unkrautvernichtung, der eben auch Glyphosat enthält) wurde 2007 als Generikum verfügbar. Das bedeutet, dass das Patent auslief und dass nun andere Firmen ein vergleichbares Mittel herstellen dürfen. Ein Großteil von Roundup wird also nicht mehr von der Bayer AG beziehungsweise Monsanto hergestellt. Es wird von fünf großen Chemieunternehmen in den USA produziert. Die in China hergestellte Menge stellt wiederum die Produktion der US-Firmen bei Weitem in den Schatten. Auf dem internationalen Markt kostet das chinesische Äquivalent zu Glyphosat nur einen Bruchteil des von Bayer hergestellten Produktes.

Nun ist Roundup nicht dasselbe wie Glyphosat. Die anderen Zutaten von Roundup erhöhen die Toxizität des Breitbandherbizids beträchtlich. Das Team des französischen Molekularbiologen Gilles-Eric Seralini entdeckte, dass die Ko-Formulierungsmittel oder andere Inhaltsstoffe in Roundup neben Glyphosat bis zu 1.000-mal toxischer sind als Glyphosat allein. Die US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) verlangt jedoch nur die Prüfung des einen deklarierten chemischen Wirkstoffs, nicht aber die der endgültigen Formulierung, die dann eben 1.000-mal toxischer sein kann.

 

 

Glyphosat und der Anstieg von Volkskrankheiten

Mit der massenweisen Verwendung von Glyphosat verzeichnen wir einen Anstieg vieler chronischer Krankheiten. Wenn man sich die statistischen Tabellen ansieht, braucht man kein ausgebildeter Wissenschaftler zu sein, um das Offensichtliche zu erkennen. Diese Grafiken vermitteln eine Parallele zwischen der entsprechenden Krankheit (beispielsweise Diabetes oder Altersdemenz) und der Verwendung von Glyphosat. Nun sind auch das keine hieb- und stichfesten Beweise, sondern eben nur Parallelen, die ja theoretisch auch andere Gründe haben könnten. Dennoch sind sie interessant und könnten dazu motivieren, diese Theorie durch Untersuchungen zu erhärten oder zu verwerfen.

Auf dieser Grafik sehen wir das Auftreten von Diabetes in den Jahren von 1980 bis 2010.

Gelb = Auftreten von manifestem Diabetes pro 1.000 Einwohner.
Grün = Trend bis 1993 und von da an auf die Zukunft projiziert (1994–2010).
Rot = Glyphosatverbrauch bei Mais und Soja in 1.000 Tonnen.
Blau = Genmanipulierter Mais und Soja im Vergleich zur Gesamtmenge in Prozent. 1997 waren circa 9 Prozent genmanipuliert, 2010 waren es circa 90 Prozent, also 10-mal mehr.

 

Statistik Glyphosat

Korrelation zwischen der altersbereinigten Diabetes-Inzidenz und der Ausbringung von Glyphosat sowie dem prozentualen Anteil von gentechnisch veränderten Mais- und Sojakulturen in den USA

 

Auf dieser Grafik sehen wir das Auftreten von Altersdemenz in den Jahren von 1979 bis 2010.

Gelb = Todesrate pro 100.000 Einwohner.
Grün = Errechneter Sterblichkeitsverlauf anhand der Todeszahlen von 1979 bis 1990. Bei unveränderten Lebensumständen sollte die Todesrate im Jahr 2010 bei circa 17 liegen. Tatsachlich liegt sie aber bei 82, also circa 5-mal höher.
Rot = Glyphosatverbrauch bei Mais und Soja in 1.000 Tonnen.

 

Statistik Glyphosat

Korrelation zwischen altersbereinigten Todesfällen aufgrund von Demenz und Glyphosatanwendung

 

Die Auswirkungen von Glyphosat auf die Umwelt und auf uns

Unglücklicherweise ist Glyphosat ein wasserlösliches Gift. Auf einem Planeten, der zu 70 Prozent aus Wasser besteht, ist der Gebrauch von Glyphosat gleichzusetzen mit einer Brunnenvergiftung im Mittelalter. Wir alle wissen, wie essenziell Wasser für unser Leben auf diesem Planeten ist. Aber wir dürfen bei Wasser nicht nur an die Flüsse, Seen und Meere denken. Wasser ist auch in allem anderen enthalten, das uns umgibt: in der Luft, die wir atmen, in den Wolken, die auf uns herabregnen, in den Pflanzen, die aus dem Boden wachsen und die ohne Wasser nicht lebensfähig wären. Zusätzlich sind da noch alle Organismen, die Tiere und die Menschen, die von diesen Pflanzen leben müssen.

Auf einem Planeten, der zu 70 Prozent aus Wasser besteht, ist der Gebrauch von Glyphosat gleichzusetzen mit einer Brunnenvergiftung im Mittelalter.

Wir Menschen bestehen zu 60–80 Prozent aus Wasser, je nach Alter und Konstitution. Je jünger wir sind, umso höher ist der Wasseranteil in unserem Körper. Die genannten Prozentzahlen betreffen die Gesamtmasse des Körpers. Was viele Menschen aber nicht wissen, ist, dass Wassermoleküle im Vergleich zu anderen Körpermolekülen sehr klein sind. Setzt man die gesamten Moleküle in unserem Körper in ihrer Anzahl und nicht in der Gesamtmasse in Relation, so sieht das Verhältnis von Wassermolekülen zu den übrigen Eiweiß- und Fettmolekülen noch beeindruckender aus: Die Menge aller Wassermoleküle beläuft sich dabei auf 99 Prozent der Gesamtmoleküle. Der Mensch besteht demnach zu 99 Prozent aus Wassermolekülen und nur zu einem Prozent aus Molekülen anderer Elemente, wie beispielsweise Eiweiß- oder Fettmoleküle. Die Quintessenz aus diesem Verhältnis aller Moleküle zueinander kann nur heißen:

Wir funktionieren nach den Gesetzen des Wassers.

Doch woher soll dieses Wasser kommen, wenn nicht aus unserer Umgebung? Wenn wir das Wassermolekül durch das Wasserökosystem verfolgen und in Laboren untersuchen, kommen wir zu einem erschreckenden Ergebnis: 75 Prozent des Regens und anderer Niederschläge, 75 Prozent der Luft, die wir atmen, sind mit dem Glyphosatmolekül verunreinigt.

Bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln sind es vor allem die Wurzelgemüse, die mit Glyphosat kontaminiert sind. Doch nicht nur diese, sondern auch viele der Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Getreide und Kohlsorten. Damit sind jedoch nicht nur Brote, Nudeln und anderen Teigwaren betroffen, sondern auch alle tierischen Produkte. Da unsere Nutztiere mit Getreide, Soja und Alfalfa gefüttert werden, sind sie folgerichtig auch mit Glyphosat belastet.

Glyphosat

In den Vereinigten Staaten wird Boden mit der 10-fachen Geschwindigkeit zerstört, die für seine Regeneration erforderlich ist.

In den Vereinigten Staaten wird Boden mit der 10-fachen Geschwindigkeit zerstört, die für seine Regeneration erforderlich ist. Die Hauptursache dafür ist die industrielle Landwirtschaft, die stark auf synthetische Hilfsmittel wie eben Glyphosat, andere Pestizide, Herbizide und Maschinen, die den Boden bearbeiten, angewiesen ist. Die Praxis der Bodenbearbeitung, insbesondere das Pflügen der Felder, beeinträchtigt – neben anderen unerwünschten Zerstörungen des Lebens in der Ackerkrume – die Fähigkeit der Erde, Wasser zu speichern. Diese angewandten Techniken wandeln auch den Kohlenstoff des Bodens in atmosphärisches Kohlendioxid um. Das sind keine guten Nachrichten für die Atmosphäre, die mit Kohlendioxid weit mehr überfrachtet ist, als das noch vor der Jahrtausendwende der Fall war.

Das Erdreich ist lebendig!

Die Bodenbearbeitung beziehungsweise das Pflügen sowie die Anwendung von Agrarchemikalien stören die empfindlichen Bodenmikroben. Ein einziger Kubikzentimeter gesunden Bodens kann Milliarden von Mikroorganismen beherbergen. Zehntausende verschiedener Arten, wie Insekten und Regenwürmer sowie Bakterien, Pilze und Fadenwürmer (Nematoden), bilden ein komplexes Netzwerk. Dieses verbindet alles miteinander und wirkt sich nicht nur auf den Erdboden, sondern auch auf die Gesundheit aller Lebewesen und die Nahrungskette als Ganzes aus.

Permakultur Masanobu Fukuoka

Die Erde ist so viel mehr als »Schmutz« – das Erdreich ist lebendig!

Die Erde ist so viel mehr als »Schmutz« – das Erdreich ist lebendig! Bakterien und Pilze bauen abgestorbenes organisches Gewebe ab, verbessern die Bodenqualität und liefern den Pflanzen wichtige Nährstoffe. Größere Organismen wie Würmer und Insekten zerkleinern und zerkauen organisches Material in kleinere Stücke, zu denen Bakterien und Pilze leicht Zugang haben, und ihre Grabgänge schaffen Wege, durch die Luft und Wasser die Pflanzenwurzeln erreichen können. Einige Organismen, wie Mykorrhizapilze, bilden spezielle Partnerschaften mit Pflanzen und bringen schwer zugängliche Nährstoffe direkt zu den Pflanzenwurzeln.

Diese komplizierten Netzwerke wirken wie ein schnelles unterirdisches Internet, das Nährstoffe, Wasser und Kohlenstoff transportiert. Sie schaffen stabile Strukturen, die wiederum die Erosion verhindern und das Gedeihen von Pflanzen und anderen Lebensformen ermöglichen.

»Unsere gesamte Nahrung kommt aus dem Boden. Wenn wir also beginnen, die Biologie des Bodens zu zerstören, zerstören wir die Nahrungsnetze, die uns Leben geben. Hier stehen wir vor einem beispiellosen Szenarium der Zerstörung.«

Paul Stamets, Mykologe und Autor von Mycelium Running

 

 

Lesen Sie ausführlich zu diesem Thema in meinem Buch Elektrosmog und Glyphosat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1 dieser dreiteiligen Reihe finden Sie hier:

https://haus-des-heilens.news/glyphosat-der-lautlose-killer/

 

Uwe Karstädt Editor

Der bekannte Heilpraktiker und Gesundheitsautor trägt als Gastautor mit seinen Artikeln zu diesem Blog bei.

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