Obwohl bisher keine Studie wirklich zeigen kann, wie eine offene Verletzung der Seele langfristig zu Gesundheitsproblemen führt, gibt es doch mittlerweile gute Anhaltspunkte, was in Menschen psychologisch, emotional und körperlich vorgehen kann, wenn sie über längere Zeit ihren Groll mit sich herumtragen.

Ergebnisse der Vergebensforschung

Die „Vergebensforschung“ findet weltweit immer stärkere Beachtung. Fast fünfzig nennenswerte Studien zu diesem Thema gibt es inzwischen allein in den USA; schwerpunktmäßig mit Blick auf Friedenspolitik. Relativ neu ist die Forschung über die medizinischen Effekte des Vergebens. Es liegen mittlerweile einige Studien vor, die unter anderem den wichtigen Hinweis geben, dass es für die eigene Gesundheit besser sein könnte, rechtzeitig zu verzeihen und nicht den Groll mit sich herumzuschleppen.

Groll erhöht den Blutdruck

Zum Beispiel sind negative Herz-Kreislauf-Effekte bei den Betroffenen nicht auszuschließen. In einer US-Studie wurden College-Studenten aufgefordert, ihre ganze Konzentration auf eine persönliche seelische Verletzung aus der Vergangenheit zu legen. Das messbare Ergebnis: Erhöhter Blutdruck und erhöhter Puls. Nachdem die Studenten mit Hilfe bestimmter Techniken dazu gebracht worden waren, ihrem persönlichen Widersacher zu vergeben, normalisierten sich ihre negativen Werte wieder.

Nervensystem betroffen

Auch Effekte auf das Nervensystem sind dieser Studie zufolge möglich. Viele Studenten berichteten während der Zeit, in der sie sich auf ihre seelische Verletzung konzentrierten, von einer Anspannung der Muskulatur und dem Gefühl, sich allgemein weniger unter Kontrolle zu haben. In anderen Studien wurde nachgewiesen, dass nachtragende Menschen häufiger über Gesundheitsprobleme berichten als andere. Seelisch verletzte Menschen sollen zudem ein erhöhtes Risiko für Nikotinabhängigkeit und Drogenmissbrauch haben.

Was ist überhaupt Vergebung?

Eine weitere Erkenntnis aus Studien: Um vergeben zu können, hilft es erst einmal zu wissen, was Vergebung nicht ist. Vergebung bedeutet demnach keineswegs, erlebtes Unrecht zu rechtfertigen oder einfach zu vergessen. Also nicht gleich: Schwamm drüber. Sie müssen vielmehr die Realität der Kränkung bzw. Verletzung erst vor sich selbst anerkennen. Das heißt: Sie müssen sich das Verlustgefühl und den Grund dafür schonungslos vor Augen führen, bevor Sie vergeben.

Vergeben verändert

Vergebung hat nicht immer zwangsläufig etwas mit der Beilegung eines Konfliktes zu tun. Wichtig ist nach Studien nur, dass die Vergebung eine Wirkung auf Ihren persönlichen Zustand hat. Sie können beispielsweise dem Täter durchaus verzeihen, ohne dass Sie damit die Tat vergessen. Durch den Akt der Vergebung für den Täter definieren Sie sich vielmehr nicht länger als Opfer in Relation zu ihrem Widersacher.
Möglicherweise müssen Sie irgendwann sogar sich selbst verzeihen, wenn Sie sich die Schuld geben sollten, Ihre eigene Verletzung zuvor provoziert und damit verdient zu haben. Auch das hilft.

Wie wird Vergebung möglich?

Vielleicht haben Sie darüber hinaus persönlich eine besondere Empfehlung, wie Vergebung in schwierigen Lebenssituationen sonst noch möglich ist.
Wissenschaftler des „International Forgiveness Institute“ in Madison (Wisconsin/USA) haben ein 4-Stufen-Modell für das Vergeben entwickelt.

Versuchen auch Sie, Ihren Mitmenschen öfter zu vergeben – Ihrer Gesundheit zuliebe!

Dieser Artikel von Dr. Werner Ch. Nawrocki ist hier im Original nachzulesen.

 

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