As slow as possible. Wie langsam ist „so langsam wie möglich“? Die Tempovorschrift „As SLow aS Possible“ von John Cages Orgelstück Organ2/ASLSP, stellt diese Frage. Insgesamt soll das Stück des amerikanischen Komponisten in Halberstadt über einen Zeitraum von 639 Jahren erklingen.
John Cage
John Cage, 1912 in Los Angeles geboren und 1992 in New York gestorben, war Schüler von Henry Cowell und Arnold Schönberg. Es gibt nach Schönberg in der Geschichte der neuen Musik nur wenige Komponisten mit einer ähnlichen Bedeutung. Das gilt nicht nur für die Entwicklung eines neuen Verständnisses in der Musik, sondern auch über den Rahmen des eigentlichen musikalischen Schaffens hinaus. John Cage war Philosoph, Maler und Literat. Hinter allen seinen Arbeiten spürt man das Bedürfnis „Bewusstsein zu schaffen“. Bewusstsein für Musik, für Verhaltensweisen und für unser Vermögen zu denken. 1985 entstand ASLSP in einer Fassung für Klavier. 1987 bearbeitete John Cage das Stück auf Anregung des Organisten Gerd Zacher für Orgel.
Wie spielt man „as slow as possible“?
1997, 10 Jahre danach, stellte man auf einem Orgelsymposium in Trossingen die Frage: Wie ist „As SLow aS Possible“ zu begreifen und wie ist das Stück aufzuführen? Welche spieltechnischen, ästhetischen und philosophischen Aspekte werden dem Titel und dem Stück gerecht? Organisten, Musikwissenschaftler, Orgelbauer, Theologen und Philosophen diskutieren. Die Frage der Realisierung des Werkes führt zu dem Ergebnis ist, dass man „As SLow aS Possible“ potentiell unendlich denken und spielen kann. Zumindest so lange, wie die Lebensdauer einer Orgel ist und so lange, wie es Frieden und Kreativität in künftigen Generationen gibt. Aus dieser spieltechnischen und ästhetischen Frage entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Projekt, das inzwischen weltweites Aufsehen erregt hat.
Warum in Halberstadt?
Im Jahr 1361 wird in Halberstadt die erste Großorgel der Welt, eine Blockwerksorgel, gebaut. Diese Orgel stand im Dom und hatte zum ersten Mal eine (12-tönige) Klaviatur. Noch heute gebrauchen wir das Schema dieser Klaviatur auf unseren Tasteninstrumenten. Die Wiege der modernen Musik stand damit in Halberstadt. Im Jahr 2000, 639 Jahre sind seit dem „fatalen Tag von Halberstadt“ (Harry Partch) vergangen, 639 Jahre soll das Stück von Cage „so langsam wie möglich“ aufgeführt werden.
Ort ist die Burchardikirche, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Um 1050 von Burchard von Nabburg gebaut. Sie diente über 600 Jahre als Zisterzienserkloster. Im 30-jährigen Krieg wurde sie teilweise zerstört. 1711 erfolgte der Wiederaufbau, die Sekularisierung 1810 von Jérome. 190 Jahre lang diente die Kirche als Scheune, Lagerschuppen, Schnapsbrennerei und Schweinestall. Johann-Peter Hinz enteckt die romanische Kirche für dieses außergewöhnliche Vorhaben neu. Die Reinigung von Buchardi erfolgt mit Unterstützung der Stadt Halberstadt und der Hilfe privater Hände. Ein neues Dach schützt vor Regen. Fenster werden eingesetzt und die Kirche in der Substanz soweit gesichert, dass ein Blasebalg nach dem Vorbild der ersten Faber-Orgel gebaut werden konnte.
As slow as possible: Die Entdeckung der Langsamkeit
Seit Oktober 2013 hören wir einen Ton aus fünf Orgelpfeifen einer kleinen Orgel. Die Orgel wächst während der Aufführung: „As SLow aS Possible“. Angesichts unserer schnelllebigen Zeit ist dieses Vorhaben eine Form der versuchten Entschleunigung. Es geht um die „Entdeckung der Langsamkeit“ und das Pflanzen eines „musikalischen Apfelbäumchens“ verstanden als Symbol des Vertrauens in die Zukunft.
Die Cage-Orgel wurde entworfen und gebaut von dem Kevelaerer Orgelbauer Romanus F. Seifert & Sohn mit der Unterstützung der Firma Reinhard Hüfken-Orgelbau aus Halberstadt.
