Gibt es ein gesundes Wirtschaftssystem? Was hat Wirtschaft mit lebenden Systemen zu tun?

 John Fullerton, ehemals Direktor der Investmentbank JPMorgan, bewegt diese und ähnliche Fragen seit langen Jahren im Rahmen des von ihm gegründeten Capital Instituts.

Dieser erste Teil des zweiteiligen Beitrags klärt grundlegende Fragen. Der zweite Teil zeigt die acht Prinzipien der regenerativen Wirtschaft auf.

John Fullerton

John_Fullerton bei der Laura Flanders Show 2013 (Wikimedia)

Was hat Wirtschaft mit Gesundheit zu tun? 

Kann ein Wirtschaftssystem gesund sein? John Fullerton, der lange Jahre Direktor bei JPMorgan, einer der größten Investmentbanken der Welt war, beschäftigt sich die letzten 20 Jahre mit diesen und ähnlichen Fragen. Als junger Investmentbanker machte er die die Erfahrung, dass „wir es verstanden Geld aus dem Nichts zu verdienen, weil es all diese Ineffizienzen auf den globalen Kapitalmärkten gab, die man gewinnbringend und zum Vorteil vieler nutzen konnte“. Allerdings ging es mit der Zeit nur noch ums Gewinnen. Der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome stellt die Frage: „Ist exponentielles Wachstum auf einem endlichen Planeten möglich?“ Diese Frage brachte Fullertons Weltsicht als Finanzfachmann zum Einsturz.

Gibt es ein gesundes Wirtschaftssystem?

Die Weisheit lebender Systeme

Er gründete das Capital Institute welches nach Alternativen zu diesem System des unbegrenzten Wachstums sucht, welches unweigerlich zum ökologischen Kollaps und damit dem sozialen und politischen Zusammenbruch führen muss. Er sieht den Ausweg aus dem Dilemma darin, unsere globale Wirtschaft als ein lebendes System zu begreifen und sie an den Mustern und Prinzipien solcher Systeme auszurichten. Ein wesentliches Element sind regenerative Prinzipien.

Der folgende Text stammt aus einem Interview mit John Fullerton, das in der Zeitschrift evolve, Ausgabe 32, veröffentlicht wurde.

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Was sind die Grundsätze einer regenerativen Wirtschaft?

Es gibt keinen »richtigen« Weg, um die immense Komplexität, die die Genialität lebender Systeme ausmacht, auf eine einfache Liste von Grundsätzen zu reduzieren.

Dennoch müssen wir das versuchen, um es kommunizieren zu können. Unter diesem Vorbehalt haben wir acht Prinzipien der regenerativen Vitalität identifiziert, die für eine regenerative Wirtschaft grundlegend sind. Diese werden im zweiten Teil vorgestellt.

Der erste Grundsatz ist das Konzept der richtigen Beziehung. Denn die Menschheit ist ein integraler Bestandteil eines verbundenen Lebensnetzes, in dem es keine wirkliche Trennung zwischen »uns« und »es« gibt. Wir sind alle miteinander verbunden. Wenn ein Teil dieses Netzes beschädigt wird, wirkt sich dies auch auf alle anderen Teile aus. Wenn die Beziehungen zusammenbrechen, ist systemische Gesundheit unmöglich.

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Wohlstand ganzheitlich betrachten

Wir müssen auch den Wohlstand ganzheitlich betrachten. Denn wahrer Wohlstand ist nicht nur Geld auf der Bank. Er muss im Sinne des Wohlbefindens des Ganzen definiert und verwaltet werden. Das wird erreicht durch einen breit geteilten Wohlstand über alle Arten von Reichtum oder Kapital, einschließlich des sozialen (beziehungsorientierten), kulturellen, lebendigen und erfahrungsbezogenen Kapitals – neben dem materiellen und finanziellen. Eine regenerative Wirtschaft ist innovativ, anpassungsfähig und reaktionsschnell. In einer Welt, in der der Wandel allgegenwärtig ist und sich beschleunigt, sind kontinuierliches Lernen und Qualitäten wie Innovation und Anpassungsfähigkeit entscheidend.

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Ermächtigte Teilhabe

Eine solche regenerative Wirtschaft basiert auch auf einer ermächtigten Teilhabe. Das bedeutet, dass alle Teile in einer Weise zu dem größeren Ganzen in Beziehung stehen müssen, die sie nicht nur befähigt, für ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Sondern sie versetzt sie auch in die Lage, ihren einzigartigen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des größeren Ganzen, in das sie eingebettet sind, zu leisten. Mit anderen Worten: Jenseits aller moralischen Überzeugungen gibt es eine wissenschaftlich begründete systemische Notwendigkeit, Ungleichheit, Rassismus, Vorurteile und Ungerechtigkeit zum Wohle des Ganzen zu überwinden.

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Spezifische Orte

Lebendige Systeme erwachsen an einem spezifischen Ort. Jedes regenerative Paradigma muss deshalb die Gemeinschaft und den Ort wertschätzen. Jede Gemeinschaft besteht aus einem Mosaik von Völkern, Traditionen, Überzeugungen und Institutionen, die durch die langfristigen Einflüsse der Geografie, der menschlichen Geschichte, der Kultur, der lokalen Umwelt und der sich verändernden menschlichen Bedürfnisse einzigartig geformt sind. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache fördert eine regenerative Wirtschaft gesunde und widerstandsfähige Gemeinschaften und Regionen, von denen jede in einzigartiger Weise durch die Essenz ihrer individuellen Geschichte und ihres Ortes geprägt ist.

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Lebende Systeme basieren auf Kreisläufen

Wir müssen auch verstehen, dass Kreativität und Fülle synergetisch an den »Rändern« von Systemen gedeihen, wo die Vielfalt am größten ist und die Bindungen, die das vorherrschende Muster aufrechterhalten, am schwächsten sind. Darüber hinaus sind alle lebenden Systeme auf einen stabilen Kreislauf angewiesen. So wie die Gesundheit des Menschen von einer stabilen Zirkulation von Sauerstoff, Nährstoffen usw. abhängt, so hängt auch die wirtschaftliche Gesundheit von einer stabilen Zirkulation nicht nur materieller Ressourcen (wie in der Kreislauf-Wirtschaft), sondern auch vom Fluss von Geld, Informationen sowie Waren und Dienstleistungen ab, um den Austausch zu fördern, Giftstoffe auszuspülen und jede Zelle auf jeder Ebene unserer menschlichen Netzwerke zu nähren.

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Streben nach Gleichgewicht

Regenerative Systeme streben nach Gleichgewicht. Wie Yoga-Praktizierende seit jeher gelehrt haben, ist das Gleichgewicht für die Gesundheit des Systems unerlässlich. Wie ein Einradfahrer befinden sich regenerative Systeme immer in diesem heiklen Tanz auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Eine regenerative Wirtschaft strebt nach einem Gleichgewicht zwischen Effizienz und Widerstandsfähigkeit, Zusammenarbeit und Wettbewerb, Vielfalt und Kohärenz sowie nach einer Struktur aus kleinen, mittleren und großen Organisationen, die im Rahmen einer gesunden Hierarchie zusammenarbeiten.

In ihrer Gesamtheit betrachtet, stehen diese Muster und Grundsätze der (kurzfristigen) Ausbeutungsideologie, die der modernen Finanzlogik zugrunde liegt, direkt entgegen.

Lesen Sie hier den zweiten Teil „Die acht Prinzipien einer regenerativen Wirtschaft“:

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Rainer Kitza Administrator
Autor, Haus des Heilens , Geschäftsführer, BioMat Shop

Als Geschäftsführer der Biomat GmbH und als Autor dieses Blogs teile ich gerne meine Erfahrung und mein Wissen über Gesundheit und Heilung, das ich durch Studium und Erfahrung in vielen Jahren gesammelt habe.

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